DiesePreidgt wurde am 24.12.2016 von Pastor Jasper Burmester gehalten.


Predigt am 24.12.2016 - Christnacht

über 2.Samuel 7, 1-6 + 12-14a

von Pastor Jasper Burmester


Gnade sei mit Euch und Friede - von Gott, unserem Vater und dem Herrn und Heiland Jesus Christus, Amen

Liebe Gemeinde in der Heiligen Nacht!

Unser Gott ist, wie uns die Bibel des alten und des neuen Bundes über weite Strecken erzählt, ein mitgehender Gott, ein mobiler Gott. Für einen so mobilen, bewegten und beweglichen, vorangehenden und mitwandernden Gott ist die Frage berechtigt, welche Immobilien diesem unseren Gott angemessen sind. Braucht der mobile Gott überhaupt Immobilien? Wir sitzen hier ja heute aber in so einer Gottesimmobilie, in unserer Kirche.

Etwa eintausend Jahre vor der Nacht, in der der Christus geboren wurde, kam es in Jerusalem zu einer Auseinandersetzung zwischen einem König und seinem Propheten. Der König hieß David. Er hatte alles erreicht bei seinem Aufstieg vom Hirtenjungen aus Bethlehem auf den Königsthron Israels. Militärische Erfolge, politische Ränkespiele, listenreiche Manöver - all das lag hinter ihm. Das Land befriedet und zu einer regionalen Großmacht geformt, tausend Feindschaften überstanden, sein Wort war Befehl. Müde war er über all das geworden und alt. Es ging ihm wie manchem unter unseren wohlhabenden Zeitgenossen: Wenn es nichts mehr zu gewinnen gibt, kommt man auf andere Gedanken und die Frage: Was fehlt? Was kam zu kurz? Heute gründet manch einer in einer solchen Lage eine Stiftung oder baut ein Kunstmuseum, David dachte an Jahwe, seinen Gott. „Ich wohne in einem Palast aus feinstem Zedernholz und der Herr in einem Zelt”. Diese mobile Stätte der Anbetung, die Stiftshütte, war das vielleicht letzte Relikt aus den Zeiten des wandernden Gottesvolkes. Nun sollte es also etwas Solides werden. Das ist sein letztes, großes Unternehmen: Dem Herrn ein Haus bauen. Ihm, den er in Psalmen besang und mit Harfe und Flöte zu loben verstand, wollte David - als Krönung seines Lebenswerkes - einen Tempel bauen. Mittel und Macht zu einem solchen Bau waren kein Problem.

Doch der solchermaßen zu ehrende Gott ließ dem König durch den Propheten Nathan wissen, was er davon hielt. Nathan sprach es aus: „Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung. Habe ich die ganze Zeit, als ich mit den Israeliten umherzog, je geredet zu einem der Richter Israels, denen ich befohlen hatte, mein Volk Israel zu leiten, und gesagt: „Warum baut ihr mir nicht ein Zedernhaus?” Nein, nicht Du wirst mir ein Haus bauen, sondern ich werde dir ein Haus bauen.

Um diese Äußerung Nathans zu verstehen, müssen wir wissen: Das Wort „Haus” bedeutet im Hebräischen sowohl „Gebäude” als auch „Nachkommenschaft”. Anstelle eines Tempels also die Begründung einer Dynastie, so die von Nathan überbrachte Rede Gottes.

Und so kam es, wie der Prophet Nathan angekündigt hatte: David starb und wurde begraben und erst sein Sohn Salomo baute den Tempel. Das Schicksal Jerusalems und das des Tempels blieben von da an und durch die Jahrhunderte eng verbunden. Jerusalem wurde erobert und zerstört und mit ihr der Tempel. Die Verbannten kehrten zurück und bauten es wieder auf und mit ihnen das Haus Gottes. Nach 3000 Jahren Kampf um Jerusalem und bis heute ist das so geblieben. Seit Jerusalems Zerstörung im Jahre 70 nach Christus erinnert nur noch die Klagemauer, wo der Tempel einst stand. Sie blieb das Ziel der Sehnsucht, es möge Gottes Haus und mit ihm das Haus Israel in Frieden erstehen.

Es ist diese Verheißung einer Nachkommenschaft Davids, die die frühe Christenheit als frühen Hinweis auf die Geburt Jesu gelesen und verstanden hat. So sind es ja vor allem die Geburtsgeschichten bei Lukas und Matthäus, die betonen, dass Jesus von Nazareth ein Nachkomme des legendären Königs David sei und lassen ihn in der Davidsstadt Bethlehem zur Welt kommen: Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Das war schon immer so: Gott hatte einst dem Moses gesagt, als der nach seinem Namen fragte, nach dem Namen, der auch so etwas wie ein festes Haus, ein fester Besitz ist.Was fragst du nach meinem Namen? Ich bin, der ich bin, werde sein, der sich sein werde. Sage deinen Leuten, wenn sie nach meinem Namen fragen: Derich bin, derich werde seinhat mich zu euch gesandt(2.Mose 3) Also: Mich, euren Gott kannst du nicht in den Griff nehmen, weder durch einen festen Namen noch durch einen festen Prunkbau , er entzieht sich dir immer wieder, kriegst ihn nie in den Griff. Ist hier und ist da und ist auch wieder weg, zeigt sich ganz überraschend, wenn du es gar nicht vermutest, wandert mit dir durch die Wüste, auch durch die Wüste deines Leben, ist wohl stets bei dir, ohne dass du es richtig merkst. Nicht im fest gemauerten Tempel, sondern im luftigen Zelt, vom Wind umweht, hier aufgebaut, da wieder abgebaut, da wieder für kurze Zeit neu aufgebaut, nimmt er Wohnung, da ist seineHeimstatt. Das Tröstliche daran: Gott kann überall bei dir sein, wo du gerade bist. So ist er ebenso im Flüchtlingscamp in Erbil, wo viele vom IS vertriebene

Christen und Jesiden Zuflucht fanden wie auch in der Charité in Berlin, wo auch heute Nacht Opfer des Anschlages auf dem Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche um ihr Leben ringen.

Denn Gott wählt aus dem Immobilienangebot der Welt für sein zur-Welt-kommen das Provisorium, einen ungemütlichen Ort für ein gefährdetes Leben. Ob es nun ein Stall war oder eine Felshöhle - es war jedenfalls kein „Haus aus Zedern“ wie David es ihm hatte bauen lassen wollen. Der Gott Davids wählt das Zelt. Marias Kind wird neugeboren in eine Krippe gelegt. Der erwachsene Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Die Vögel unter dem Himmel haben Nester und die Füchse haben Gruben, aber der Menschensohn hat nichts, wohin er sein Haupt lege”. Jesus Christus ist der obdachlose Gott, der es so und nicht anders will. Er setzt sich aus: Unseren Lebensrisiken. Unserer Unsicherheit, die auch mit noch soviel Technik, Überwachung oder gar Verbarrikadierung, Umzäunung und Einmauerung niemals verschwinden werden. Gott setzt sich unserem Leben aus, in Aleppo, Berlin, Kunduz. Gott setzt sich aus. Er gibt sich dem Bösen preis, dem Fanatismus, der Rechtgläubigkeit, der teuflischen Freude am Leiden der Anderen. Am Kreuz gibt er sich ganz darein und wird doch nicht davon verschlungen.

Manches davon haben wir in dieser Woche erleben müssen, eine Ahnung bekommen, was Menschen in diesem Jahr anderswo haben erleiden und ertragen müssen. Und so bitter und furchtbar das ist: Unsere bisher noch relativ heile Welt hat sich als sehr angreifbar und zerbrechlich erwiesen. Aber es gilt, was wir in diesem Advent öfter mit den Worten des Dichters Jochen Klepper gesungen haben: Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Gott will im Dunkel, im Draußen, in der Zerbrechlichkeit bei uns sein. Wir sind hier nicht allein.

Noch einmal zurück zur Ausgangsfrage. Braucht der mobile Gott überhaupt Immobilien? Nicht Gott braucht ein Haus, das wir ihm bauen. Wir brauchen es, wie David, um uns zu versammeln, zu konzentrieren, auf ihn auszurichten, von ihm ergriffen zu werden. Wir brauchen Orte, an denen wir uns auch innerlich sammeln können, ohne Tempovorgaben. Wir sind es, die einen Heimathafen brauchen, weil wir uns nach Beheimatung sehnen in einer Welt, die ständige Mobilität verlangt, weil wir uns sehnen nach Verbindlichkeit in einer Gesellschaft, die sich immer schwerer damit tut, einen Wertekonsens nicht nur zu behaupten oder wenigstens noch anzustreben, sondern im Alltag zu leben, weil wir uns nach Sicherheit sehnen in einer Zeit, die immer mehr Unsicherheiten und unheimliche Gewaltdrohungen bereithält. Aber wir sollten das auch zugeben: Wir sind es, die solche Ort und Häuser brauchen, Kirchen,

Synagogen, Gemeindehäuser. Es sind Menschenhäuser, nicht Gotteshäuser. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr.

Übrigens: Als Salomo , der Sohn und Nachfolger Davids dann endlich den Tempel bauen ließ, kamen ihm immer wieder Zweifelund so fielen in seinem Tempeleinweihungsgebet auch diese Worte:Aber sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassenwie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe? Und Salomo hat Recht mit dieser Fragewürde der Glaube an unseren mobilen Gott von Immobilien abhängen, sich gar davon anhängig machen, gäbe es heute weder Juden noch Christen. Es gibt sie, es gibt uns, weil nicht ein heiliger Platz unseren Glauben ausmacht, sondern ein heiliges Wort. Dieses Wort will immer wieder entdeckt, erschlossen, gedeutet und weitergesagt werden, dazu lädt es uns ein, dazu ruft uns aber auch die gegenwärtige Lagegerade weil religiöse Fragen in den Konflikten unserer Tage so viel Bedeutung haben, müssen wir uns auch selber vergewissern, was unser Glaube ist. Gott jedenfalls hat es Weihnacht werden lassener hier, im Dunkel, bei uns. Wir sind nicht allein. Amen


 




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